Dokumentation Burgsteinfurt

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Die Initiative Stolpersteine in Burgsteinfurt

Anfang 2005 gründete sich auf Initiative von Herrn Alfred Homann in Borghorst eine sehr aktive Stolpersteingruppe, die, begleitet von einer guten Öffentlichkeitsarbeit, schon im Juni 2006 an vier Standorten in Borghorst Stolpersteine verlegen ließ. Hiervon angespornt fanden sich im Herbst 2005 auch in Burgsteinfurt auf Anregung von Frau Ursula Kunze Bürgerinnen und Bürger zu einer Gruppe zusammen, um die Lebensschicksale der ehemaligen jüdischen Mitbürger, die unter der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten verfolgt, deportiert und ermordet worden oder durch Flucht ins Exil entkommen sind, aufzuarbeiten, zu veröffentlichen und ihrer durch die Verlegung von Stolpersteinen zu gedenken.

Besonders wertvoll war und ist uns dabei die Mitarbeit von Zeitzeugen, von älteren Menschen aus Burgsteinfurt, die mit ihren Erinnerungen eine wichtige Quelle darstellen, v.a. von Frau Liesel Daldrop, Frau Maria Hinte und Herrn Klaus Döring. Da wir die Erinnerung an die jüdischen Mitbürger an die nächste Generation weitergeben wollen, ist die Mitarbeit von in der Sache engagierten Lehrern der Burgsteinfurter Schulen sehr wichtig. So haben Schüler der Wirtschaftsschulen zu Hermann Emanuel, der an der Gründung dieser Schule im Jahre 1909 maßgeblich beteiligt war, mit ihrem Lehrer Kai Heuing eine Ausstellung erarbeitet und sich an der Stolpersteinverlegung beteiligt. Karl Friedrich Herhaus hat unter Einbeziehung seiner Schüler am Gymnasium Arnoldinum die Schicksale von jüdischen Schülern dieser Schule recherchiert und diese im Jahrbuch der Vereinigung der ehemaligen Arnoldiner veröffentlicht. Im September 2009 wurden unter großer Beteiligung der Schule fünf Stolpersteine am Schuleingang für die letzten jüdischen Schüler verlegt, und der Kunstlehrer des Gymnasiums Arnoldinum, Heinz Huwe, hat sich bei der Gestaltung der Informationsflyer für die Stolpersteinverlegungen und auch für die Drucklegung dieser Dokumentation in besonderer Weise engagiert.

Neben der Aufarbeitung der Lebensgeschichten der verfolgten Juden beteiligt sich die Gruppe an der Gestaltung der jährlichen Gedenkfeier zum 9. November, lädt zu Stadtführungen zu den Stolpersteinen ein und hat am Bahnhof eine Schautafel mit im Stadtplan markierten Wohnorten der Burgsteinfurter jüdischen Familien vor 1933 aufstellen lassen. Um die Erarbeitung und Aufstellung der Schautafel haben sich Hildegard von den Driesch, Ursula Kunze und Klaus Adam verdient gemacht.

Zur Gruppe gehören etwa 15 Personen, die Gründung als Verein wird erwogen. Die Finanzie-rung der Stolpersteine (ca. 120,- € je Stein) erfolgt durch Spenden. Daneben beteiligt sich die Initia-tive auch finanziell, sofern dies notwendig ist, an den Fahrtkosten der eingeladenen Gäste, der Nachfahren der Opfer, für die wir Stolpersteine verlegen.

Bei ihrer Recherchearbeit war die Stolperstein-Initiative in Burgsteinfurt von Anfang an in einer glücklichen Situation, weil sie auf viele wertvolle Vorarbeiten zurückgreifen konnte, so auf die Dokumentation der Schüler des Arnoldinums zur Pogromnacht aus dem Jahr 1981 und auf die Erinnerungen und Aufzeichnungen von Dietrich Feldhoff, der die Erinnerung an die verfolgten Juden in Burgsteinfurt schon Jahrzehnte früher zu seinem Anliegen gemacht hatte und zu den Nachfahren mehrerer jüdischer Familien Kontakt aufgenommen hatte. Ganz besonders aber konnte die Gruppe sich auf die wissenschaftliche Arbeit von Dr. Willi Feld stützen, dessen Schriften und Vorträge zur Geschichte der Burgsteinfurter Juden eine Grundlage auch dieser Veröffentlichung sind.