Dokumentation Horstmar

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Familie Nathan

wohnten: Stadt 139I   heute: Neustr. 5

Neustraße

Foto: Sammlung Ewald Gaux

 

Eltern:

Joseph Nathan

Joseph
geb. 14.06.1864 in Billerbeck

deportiert: 13.12.1941 in das Ghetto Riga

verschollen

 

Paula

geb. 20.02.1868 in Oelde

geb. Schreiber

gest. 23.04.1935 in Horstmar

Kinder:   


 

Fritz

geb. 06.04.1895 in Horstmar

überlebt den Holocaust durch Flucht in die USA

 

 

Otto

geb. 17.03.1899 in Horstmar

überlebt den Holocaust durch Flucht nach Cardiff/England

 

 

Helene

geb. 14.03.1902

ermordet im KZ Auschwitz

Ella Nathan

Ella

geb. 13.08.1903 in Horstmar

verh. Slanowitsch

deportiert: 13.12.1941 in das Ghetto Riga
deportiert: KZ Stutthof

verschollen

 

Schicksal der Familie Nathan

Josef Nathan wohnte in der Neustraße und verdiente als Pferdehändler den Lebensunterhalt für die Familie. Als sein Sohn Otto erwachsen geworden war, stieg dieser in das Geschäft mit ein und lebte nach wie vor mit seinen Eltern unter einem Dach. Fritz heiratete sehr früh und zog bereits 1913 in die Kappenberger Str. und gründete dort eine eigene Familie.

Helene, die ältere der beiden Töchter, wohnte in Bremen. Am 1. März 1939 emigrierte sie in die Niederlande. Von hier aus wurde sie 1942 in das KZ Auschwitz deportiert. Ihr Todesdatum wird mit dem 30. September 1942 angegeben.

Paula Nathan starb 1935. Sie fand auf dem Friedhof an der Hagenstiege ihre letzte Ruhestätte.

 

 

Ihr Enkel Heinz erinnert sich sehr gut, dass der kleine Trauerzug, der seine Großmutter zu ihrer letzten Ruhestätte begleitete, von einem am Straßenrand stehenden Jungen bespuckt wurde. Auch in  Horstmar waren zu dieser Zeit bereits der Nationalsozialismus und seine menschenverachtenden Thesen "angekommen".

 

In der Pogromnacht vom 9. November 1938 wurde das Haus von Josef Nathan geplündert. Die Haustür stand am anderen Morgen noch weit offen und man konnte die Verwüstungen und Zerstörungen erkennen. Die Nazis hatten ganze Stoffballen abgerollt und vom Treppenabsatz aus dem Obergeschoss bis ins Erdgeschoss hinunter geworfen. Zerschlagenes Porzellan lag im Eingangsbereich.

Wie alle anderen erwachsenen, männlichen Juden des Ortes wurde auch Josef Nathan - trotz seines Alters von bereits 74 Jahren - in das sogenannte "Spritzenhaus" am Fuße des Darfelder Hügels, vor den Toren der Stadt, eingesperrt. Später wurde er nach Coesfeld transportiert, wo er mit einigen anderen Juden in einem sogen. "Judenhaus" untergebracht war. Hier traf er auch wieder mit seiner Tochter Ella zusammen.

Am 13. Dezember 1941 wurden Josef und Ella Nathan, gemeinsam mit anderen Coesfelder Juden, in das Ghetto Riga deportiert.

 

Copyright: Stadtarchiv Coesfeld

Josef Nathan, hintere Reihe, 2. von rechts;

Ella Nathan, vordere Reihe, 1. von rechts.

 

Walter Steinweg, der mit seiner Familie mit dem gleichen Zug nach Riga deportiert wurde, erinnert sich, Josef Nathan getroffen zu haben. Im Ghetto Riga sind sich Josef Nathan und Familie Steinweg nicht mehr begegnet. Es ist möglich, dass Josef Nathan bereits bei der Ankunft am Bahnhof Riga ermordet wurde, da er den Strapazen des Fußweges zum Ghetto hin nicht mehr gewachsen war. Er gilt als verschollen.

Seine Tochter Ella war einige Zeit im Ghetto Riga, wurde dann aber in das KZ Stutthof deportiert. Dort hat man sie am 23. August 1944 ermordet.