Dokumentation Horstmar

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Familie Löwenstein
Stadt 106, heute: Schöppinger Str. 7
Eltern:

Israel Löwenstein
Israel Löwenstein
geb. 23.11.1857 in Horstmar
gest. 29.04.1924 in Horstmar
Clara Löwenstein
Klara Löwenstein
geb. Weiss
geb. 02.02.1859 in Bünde
gest. 26.10.1935
   
Kinder:

Moritz

geb. 05.05.1888 in Horstmar

deportiert: 13.12.1941 Ghetto Riga

deportiert: 01.10.1944 KZ Stutthof

ermordet: 30.12.1944 KZ Stutthof

 

Selma

geb. 25.05.1890 in Horstmar

verh. Rothschild

deportiert: Jan. 1942 nach Ost-Europa

verschollen

                

 

Hedwig

geb. 16.04.1892 in Horstmar

gest. 21.03.1934 in Horstmar,

beigesetzt auf dem Horstmarer Friedhof

 

                 

 

Bernhard

geb. 04.08.1895

deportiet: 10.08.1942 KZ Auschwitz

ermordet: 02.10.1942 K Auschwitz

 

Martha

geb. 08.12.1898 in Horstmar

verh. Apt

gest. 1984 in Brüssel

Haus Löwenstein, Schöppinger Str.

Hedwig Löwenstein, 2. v.li.,

Klara Löwenstein, 3. v.li.

Martha Löwenstein, 4. v.li.

alle anderen Personen unbekannt

 

hintere Reihe, v.l.n.r.:

Johanna Eichenwald (geb. Weiss) und Samuel Eichenwald

Else Löwenstein und ihr Mann Moritz Löwenstein

vorne:

Klara Löwenstein (geb. Weiss) und Israel Löwenstein

(Johanna Eichenwald u. Klara Löwenstein waren Schwestern)

 

Schicksal der Familie Löwenstein

Klara und Israel hatten 5 Kinder, die alle in Horstmar das Licht der Welt erblickten.

Israel führte an der Schöppinger Str. einen sog. 'Rohproduktenhandel'. Er kaufte und verkaufte Alt-Eisen, lagerte aber auch Knochenabfälle, die zeitweise einen sehr unangenehmen Geruch in der Nachbarschaft verbreiteten.

Die Kinder aus der Umgebung spielten gerne auf dem Gelände der Löwensteins. Es machte ihnen Spaß, vom Hof der Löwensteins ein Stück Eisen o.ä. mitgehen zu lassen, um es vorne im Geschäft abzuliefern und ein paar Pfennige dafür zu kassieren. Natürlich hatten Löwensteins schnell die kleinen "Gauner" durchschaut, sie spielten das Spiel aber mit und hatten ihren Spaß an den Kindern, die wiederum waren stolz auf ein paar "erhandelte" Pfennige.

Israel verstarb bereits 1924, mit knapp 67 Jahren. Seine beiden Söhne führten das Geschäft fort, allerdings nicht sehr erfolgreich. Im August 1936 waren Löwensteins derart verschuldet, dass sie den bereits 1930 mit der Städtischen Sparkasse Horstmar vereinbarten Entschuldungsplan nicht erfüllen konnten. Die Konsequenz war nicht nur die Zwangsversteigerung aller Besitztümer der Familie Löwenstein, sondern auch die Übernahme der Horstmarer Sparkasse durch die Kreissparkasse Burgsteinfurt.

Moritz Löwenstein, der zu diesem Zeitpunkt bereits Witwer war, zog mit seinen beiden Kindern Hans und Marianne nach Borghorst in das Elternhaus seiner Frau. (sh. weitere Infos unter Löwenstein, Kappenberger Str.)

Selma Löwenstein war seit ca. 1920 mit Isidor Rothschild verheiratet, einem Kaufmann aus Witten. Die Eheleute bekamen 2 Töchter. 1922 wurde die Tochter Margot geboren, 1928 kam Ingeborg zur Welt. Die Eheleute wurden zusammen mit ihrer jüngsten Tochter Ingeborg im Januar 1942 in den Osten deportiert. Die Eltern wurden ermordet, Ingeborg gilt als verschollen. Das Schicksal der Tochter Margot ist unbekannt.

Hedwig war 42 Jahre alt, als sie 1934 starb. Sie war geistig behindert, eine freundliche und liebenswerte Frau, die im Auftrag ihrer Mutter älteren Menschen in der Nachbarschaft gerne etwas zu essen brachte. Wenn im Hause Löwenstein 'Matze' gebacken wurde, verteilte Hedwig entsprechende Portionen, die sie bis in die Krebsstraße brachte.

 

Der Grabstein von Hedwig Löwenstein befindet sich heute noch auf dem Friedhof an der Hagenstiege, allerdings ist die Inschrift nicht mehr zu erkennen.

Die gezeigte Abbildung wurde von Bernard Eichenwald (Sohn von Paul Eichenwald) zur Verfügung gestellt, der in den vergangenen Jahren regelmäßig Horstmar besuchte.

 

Bernhard Löwenstein blieb unverheiratet. Als es zur Zwangsversteigerung des elterlichen Betriebes kam, zog er mit seinem Bruder Moritz nach Borghorst. Im Juli 1938 zog Bernhard zu seiner Schwester Selma nach Witten. Im Dez. des gleichen Jahres meldete er sich in Witten ab, mit der Angabe, wieder in seine Geburtsstadt zu ziehen. Er lebte aber erneut in Borghorst bei seinem Bruder Moritz.

Von hier unternahm er - gemeinsam mit seinem Neffen Hans - und dem Schwager von Moritz - Alfred Gumprich - einen Fluchtversuch. An der Grenze Belgiens wurden die drei allerdings gefasst und in das Internierungslager "Camp de Gurs" am Rande der Pyrenäen gebracht. Von dort aus wird Bernhard am 10. August 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo er am 2. Oktober 1942 in der Gaskammer ermordet wird.

 

Martha (links) Löwenstein und ihre Schwägerin Else Löwenstein (Frau von Moritz)

(Foto ca. 1920 oder früher)

 

Martha Löwenstein

 

Die jüngste der Geschwister Löwenstein, Martha, heiratet Moritz Apt Die Eheleute bekommen einen Sohn. Moritz Apt wird deportiert und ermordet. Martha überlebt als einzige der Kinder von Klara und Israel Löwenstein den Holocaust.

 

 

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