Dokumentation Horstmar

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Familie  Moritz Löwenstein
wohnten: Stadt 197 heute: Kappenberger Str.
Eltern:

Moritz Löwenstein
geb. 05.08.1888 in Horstmar

deportiert: 13.12.1941 Ghetto Riga

deportiert: 01.10.1944 KZ Stutthof

ermordet: 30.12.1944

 

Else Löwenstein

geb. 02.08.1896 in Borghorst

geb. Gumprich

gest. 1934

Kinder:


Marianne Löwenstein

Marianne
geb. 03.05.1926 in Rheine

deportiert: 13.12.1941 Ghetto Riga
deportiert: 01.10.1944 KZ Stutthof

verschollen

Hans Löwenstein

 

Hans
geb. 19.07.1921 in Münster

1939 gescheiterter Fluchtversuch nach Belgien
Inhaftierung im Internierungslager “Camp de Gurs”

überlebt

   

Schicksal der Familie Löwenstein

 

Moritz Löwenstein heiratete im Jahre 1920 die junge 24jährige Else Gumprich aus Borghorst. Moritz war im elterlichen Geschäft an der Schöppinger Straße tätig und Else half im Haushalt ihrer Schwiegermutter.

Else und Moritz Löwenstein

1921 kam ihr erst Kind zur Welt, Hans - später von seinen Spielkameraden und Schulkollegen "Hänschen" genannt. Fünf Jahre später folgte die Tochter Marianne, die sich zu einer dunkelgelockten, kleinen Schönheit entwickelte.

Ein Foto aus noch unbeschwerten Urlaubstagen auf Norderney

Else (1. v.li., hintere Reihe), neben ihr Moritz,

Martha (1. v.li., untere Reihe)

Else Löwenstein war erst 38 Jahre alt, als sie starb. Moritz stand nun alleine mit seinen beiden Kindern. Eine schwere Zeit, auch ohne den bereits schwelenden Antisemitismus und die Repressalien der Nationalsozialisten, lag vor ihm. Die Zwangsversteigerung der elterlichen Geschäftsgebäude stand bevor und das Haus, in dem er bisher mit seiner Familie gelebt hatte, musste er ebenfalls räumen. Er zog mit seinen Kindern nach Borghorst in das elterliche Haus seiner verstorbenen Frau.

Auch Moritz und sein Bruder Bernhard planten, gemeinsam mit den Kindern Hans und Marianne, in die USA auszuwandern. Nach dem desaströsen Zusammenbruch ihres Geschäftes kam zu dem ohnehin schon schwer durchführbaren Plan, auch noch die großen finanziellen Sorgen hinzu.

Moritz versuchte jedoch alles erdenklich Mögliche, um zumindest das Leben seiner Kinder zu retten. Sein Plan war, dass Bernhard und Hans, gemeinsam mit seinem Schwager Alfred Gumprich, versuchen sollten nach Belgien zu flüchten. Zu diesem Zeitpunkt lebte die Schwester Martha mit ihrem Mann Moritz Apt in Belgien. Es ist davon auszugehen, dass man hier Unterschlupf suchen wollte. Der Fluchtversuch misslang. Sie wurden alle drei gefasst und in das Internierungslager "Camp de Gurs" am Rande der Pyenäen gebracht. Bernhard wurde von hier in das KZ Auschwitz deportiert und in der Gaskammer ermordet.

Moritz wird zusammen mit Marianne am 13.12.1941 in das Ghetto Riga deportiert. Hier muss er schwere Straßenbauarbeiten leisten. Am 1.10.1944 deportiert man ihn - gemeinsam mit seiner Tochter Marianne - in das KZ Stutthof. Am 30.12.1944 wird Moritz ermordet. Das genaue Schicksal von Marianne ist nicht bekannt, sie gilt als verschollen.

Wie und wann Hans Löwenstein dem Internierungslager "Camp de Gurs" entkommen konnte, ist nicht bekannt. Er war aber während seiner Internierungszeit ganz offensichtlich darüber informiert, dass sein Vater und seine Schwester nach Riga deportiert wurden. Im Mai 1942 fragt er in einem Telegramm an seine Tante Martha in Belgien, ob es Neuigkeiten aus Riga gibt. Hans wird seinen Vater Moritz und seine Schwester nie wiedersehen.

Hans Löwenstein selbst überlebt den Holocaust. er heiratet eine Christin, nimmt nach dem Krieg den Namen "Jean" an und lässt sich in Paris nieder.

 

 

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