Villa Heimann – mehr als ein Haus aus Steinen

Vor der Villa: Familie Heimann und andere Borghorster zu Ottis Verlobung am 31. Oktober 1937Villa Heimann 1960er Jahre, Foto: N.N.Villa Heimann Fensterbildern von Otti, Bill, Toni und Elsbeth, Foto: Jupp Ernst 2006Stolpersteine für Familie Heimann, Foto: B. Kater 2006Villa Heimann vom Abrißgeländes ehemals Wattendorff gesehen, Foto: Jupp Ernst 2014Villa Anfang 20. Jahrundert, es handelt sich <strong>nicht</strong> um Familie Heimann, Foto: unbekanntVilla Heimann 1939: die Volksbücherei der Nationalsozialisten ist hier untergebracht.
Foto: N.N. Stadtarchiv Steinfurt

Steinfurt Borghorst, Bahnhofstraße 14, heute Anton-Wattendorff-Straße:
Auf dem Gehweg vor dem Grundstück erinnern seit Juni 2006 „Stolpersteine“ an die Menschen, die hier lebten. An die Kinder Wilhelm, Ottilie, Antonia und Elsbeth, die ihre Eltern und ihr Heim verlassen mussten. An die Eltern, Frieda und Albert Heimann, die deportiert und in Auschwitz ermordet wurden.

Das 12räumige zweigeschossige Haus, umgeben von einem parkähnlichen Garten, entstand um die Jahrhundertwende. Hier wohnte der seinerzeit wohlhabende Viehhändler Albert Heimann, Träger des Eisernen Kreuzes, Schützenkönig der Bürgerschützen und angesehener Bürger der Gemeinde Borghorst, mit seiner Familie.
Mit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft begann die Drangsalierung der jüdischen Familien auch in Borghorst. Die jüdische Familie Heimann wohnte bis zur Pogromnacht 1938 in der Villa.

Die Ermordung und Vertreibung seiner Bewohner, die wechselvolle Geschichte, der besondere städtebauliche Charakter und die sozialgeschichtliche Bedeutung des Hauses fordern dazu auf, sich für den Erhalt einzusetzen.

„Als 6jähriger musste ich mit ansehen, wie die Villa Heimann von Nazis verwüstet wurde.
Man kann heute nicht ohne Gegenrede mit ansehen, wie sie abgerissen wird.“

Zitat Josef Bergmann *1932

Die Initiative Stolpersteine Steinfurt sieht es als ihre Pflicht an, die „Villa Heimann“ als Stätte der Erinnerung und einzigartiges sozialgeschichtliches Denkmal zu erhalten.

„Das grausame Schicksal meiner Eltern lässt mir keine Ruhe.
Ich mache mir ständig Vorwürfe, dass ich ihr Leben nicht retten konnte.“

Eine Botschaft von Wilhelm (Bill) Heimann, verlesen zur Verlegung der Stolpersteine vor seinem Elternhaus im Jahre 2006.


Brief der Nachfahren der Familie Heimann vom 7. März 2014

Von: Claude Heimann [mailto:xx]
Gesendet: Freitag, 7. März 2014
An: Hoge, Andreas
Betreff: Villa Heimann

„Sehr geehrter Herr Bürgermeister Hoge,

Wir schreiben Ihnen als Enkel und Urenkel von Albert und Frieda Heimann, um unsere tiefe Besorgnis auszudrücken über das Vorhaben, unser Herkunftshaus abzureißen.

Uns ist bewusst, dass es gegenwärtig in einem maroden Zustand ist und dringend einer größeren Renovierung bedarf, dennoch steht es für die Bürger von Steinfurt/Borghorst als Erinnerung an die tragischen Ereignisse der 1930er und 1940er Jahre. Diese Geschichte darf nicht vergessen werden, und eine Entscheidung, dass Haus abzureißen, würde unserer Meinung nach im Widerspruch zu den ernsthaften Bestrebungen der deutschen Regierung stehen, sich mit der jüdischen Welt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu versöhnen.

den ganzen Brief lesen ↓


From: Claude Heimann [mailto:xx]
Sent: Friday, March 7th 2014
To: Hoge, Andreas
Subject: Villa Heimann

“Dear Buergermeister Hoge,

We are writing to you as the grandchildren and great-grandchildren of Albert and Frieda Heimann to express our deep concern about the proposal to demolish our ancestral home.

While we appreciate that it currently is in dilapidated condition and in urgent need of major renovation, it has nevertheless stood as a reminder to the citizens of Steinfurt/Borghorst of the tragic events of the 1930s and 1940s. This history must not be forgotten and a decision to demolish the house would, in our opinion, contravene the serious efforts of the German government to reconcile with the Jewish world since the end of World War 2.

entire letter ↓


Mehr zur Famile Heimann hier →
Beitrag und Interview mit VOIS-TV hier →
VOIS-TV: CDU stellt Strafanzeige gegen Inititative Stolpersteine →
Pressespiegel hier →


Chronik der Villa Heimann

  • November 1938: Im Haus leben die Heimann-Geschwister Antonia, Elsbeth und ihre Eltern. Ottilie ist bereits in die USA und Wilhelm nach Johannisburg, Südafrika emigriert.
    In der Reichspogromnacht werden Mobiliar und Porzellan zerschlagen und Vorräte vernichtet.
die ganze Chronik anzeigen ↓

Lage der Villa Heimann in Steinfurt Borghorst

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